Pflegekinder

In der Schweiz leben etwa 14‘500 Pflegekinder. Die meisten kommen aus mehrfach belasteten Familienverhältnissen. Ihre Eltern können nicht mehr oder nur noch eingeschränkt für sie sorgen. Oft führt ein längerer Prozess, in dem viele Fachleute einbezogen sind, zur Entscheidung, ein Kind aus seiner Herkunftsfamilien herauszunehmen. Gründe für eine Platzierung in einer Pflegefamilie sind :

  • Die Kinder sind vernachlässigt worden.
  • Sie können nicht mehr bei ihren Eltern leben.
  • Sie haben seelische und/oder körperliche Gewalt erfahren.
  • Ihre Eltern sind psychisch krank oder haben Suchtprobleme

Pflegekinderverhältnisse können unterschiedliche Formen haben:  

  • Aufenthaltsdauer: je nach Ausgangslage, Bedarf, Zukunft > wenige Wochen, Monate oder Jahre (kurz- mittel- langfristig)
  • Kleinkinder, Kinder, Jugendliche, Junge Erwachsene, Junge (unmündige) Mütter mit Kind/ern
  • in Betreuungsfamilie Tag/Nacht, mit/ohne Wochenendaufenthalt in Herkunftsfamilie
  • direkt- oder indirekt platziert (Vor/Nachteile unten)
  • kann auch SOS-/Notfallplatzierung sein
  • im Angestelltenverhältnis oder als selbstständig Erwerbende Pflegeeltern

Warum werden Kinder Fremd-/Familienplatziert?

Die Gründe dafür liegen meist nicht beim Kind. Es kann sein, dass das Familiensystem des Kindes nicht mehr genügend Kraft aufbringt, um die Erziehung zu tragen, wie Überforderung der Eltern, z.B:

  • eigene Missbrauchsituation oder Misshandlung in Kindheit
  • Gewalt
  • Grenzüberschreitungen
  • Tod/Krankheit, psychische Erkrankung
  • Drogenabhängigkeit
  • Haftstrafen der Eltern
  • Wirtschaftlicher Druck, z.B. Arbeitslosigkeit, Zwang nach vermehrter Erwerbsarbeit
  • Gesellschaftlicher Druck, z.B. Migration, soziale Isolierung

Manchmal führt kein anderer Weg aus dem Teufelskreis - es wird für die Kinder unerträglich in ihrer Herkunftsfamilie. Bis das Kind in eine Pflegefamilie kommt, ist oft schon viel passiert.


Finanzen

Die Entschädigungen sind schwierig zu vergleichen. Im Betreuungs/Pflegegeld meist enthalten:

  • Kost & Logis, Betreuung (indexiert)
    Sachkosten / Dienstleistung auseinanderhalten => Steuern

Nicht im Betreuungs/Pflegegeld, je nach Auftragsverhältnis:

  • Kranken- und Unfallversersicherung
  • Haftpflichtversicherung
  • Hygiene- und Toilettenartikel
  • Kleider-, Schuhe- und Wäscheanschaffungen
  • Arzt- und Zahnartztrechnungen, Medikamente, Therapien
  • Beiträge an Freizeit wie: Hobby, Lager, Musikunterricht, Sportausrüstung usw.
  • Taschengeld
  • Handy
  • Schule und Ausbildung
  • Reisekosten usw

Diese Kosten werden durch gesetzlichen Vertreter bezahlt (resp. Regelung durch zuweisende Stelle). Einzelheiten vertraglich regeln!

Nicht enthaltene Aufwendungen:
Je nach Pflegeverhältnis (direkt/indirekt, Angestellt/Selbständig) sind Aufwendungen nicht enthalten wie z.B.: Akuirieren, Marketing, Bewilligung, Pflegehilfsmittel, Administration, Netwerkpflege, Austausch mit abgebenen Eltern/Stelle, Supervision, bauliche Massnahmen, Weiterbildung, Inkasso, Geltendmachung von Ansprüchen an Dritte, Berichterstattung, Versicherung, Sozialversicherungen, Steuern, usw.

Bestimmte Umstände beim Kind oder Herkunftsfamilie bedingen höhere Aufwendungen und dementsprechend angepasstes Pflegegeld, z.B körperlich- oder geistige Beeinträchtigung, Krankheit, Verhaltensauffälligkeit, Entwicklungsverzögerung, Schul- oder Suchtprobleme oder auch der erhöhte zeitliche Mehraufwand für die Zusammenarbeit mit der Herkunftsfamilie z.B bei kulturellen Differenzen, Unzuverlässigkeit, psychischen Auffälligkeiten, Zerstrittenheit u.ä und/oder mit dem Helfernetz (Arzt, Schule etc) besonders Zeitintensiv ist.

Pflegegeld: Beispiel Kanton Bern
(Direktzuweisung Pflegekind durch Gemeinde: ohne fachlichen Rückhalt, Pflegeeltern sind angestellt. Abgeltung eher unterer Ansatz)

"Zu teuer"
Können die Fremdbetreuungskosten nicht aufgebracht werden, so ist das "nicht das Problem" der betreuenden Pflegefamilie (Die  Klärung/Sicherstellung der Finanzierung ist Auftrag der zuweisenden Stelle (allenfalls mit Sozialhilfebeiträgen > Unterhaltspflicht Eltern gemäss ZGB).

Betreuungs/Pflegearbeit hat grossen Wert! Geben Sie sich Wert!


Gesetzliches

Ein Kind, welches fremd betreut (ausserfamiliär) und/oder nicht bei seinen Eltern lebt, hat Anspruch auf besonderen Schutz. Die Pflegekinderverordnun des Bundes (SR 211.222.338, PaVO) regelt die Betreuung von Kindern und Jugendlichen ausserhalb des Elternhauses.

  • Wer ein Kind das noch nicht 18 Jahre ist, für mehr als 1 Monat oder für unbestimmte Zeit entgeltlich oder unentgeltlich zur Erziehung und Pflege bei sich aufnehmen will, benötigt eine BEWILLIGUNG der Vormundschaftsbehörde am Ort der Unterbringung des unmündigen Kindes (Art. 4 PaVO) > neu ab 2013 lösen regionale Kinder- und Erwachsenenschutzstellen die Vormundschaftsstellen der Gemeinde ab.
  • Die Erziehung udn Betreuung (dauerhaft) von fünf und mehr Personen sowie Vermittlungsstellen und Familienplatzierungsorganisationen, FPO, bedürfen einer Bewilligung des Departement des Innern (§1 und 3 Abs. 1, §7, BetreuVO).
  • Werden Kinder regelmässig gegen Entgeld tagsüber betreut, hat eine MELDUNG an die Behörde zu erfolgen. Tageseltern und Pflegefamilien unterstehen unter der Aufsichtder Vormundschaftsbehörde (neu ab 2013: regionale Kinder- und Erwachsenenschutzstelle). Art 12 Abs 1 ud 2 PaVO.
  • Pflegeeltern (auch Tagespflege) wird empfohlen, einen Betreuungsvertrag und eine Haftpflichtversicherung gegen Personenschäden abzuschliessen.
  • Die Pflegekosten unterstehen der Steuerpflicht (siehe Finanzen). Die Kantonen haben separate Merkbläter dazu (Merkblatt Kt. SZ)
  • Die üblichen Sozialversicherungsleistungen wie AHV/IV sowie Unfall sin ab einem Verdienst von CHF 2200/Jahr zu entrichten. Info's bei der Ausgleichskasse (www.aksz.ch / Ausgleichskasse SZ)

Direkt oder Indirekte Platzierung

Pflegekinder werden oft direkt von Sozialdiensten/Vormundschaft oder indirekt über eine Familienplatzierungsorganisation (FPO) vermittelt und platziert. Es gibt wesentliche Unterschiede in der Zusammenarbeit, der Unterstützung der Betreuugsfamilie, dem Fachlichen Rückhalt, dem Auftrag an und für sich, den Weiterbildungsmöglichkeiten und der finanziellen Entschädigung. Ene FPO übernimmt die Administration sowie Behördengänge.

Es lohnt sich, nicht überstürzt eine Platzierung anzunehmen - auch bei grossem Herz (und "Druck"). Die Arbeit als Betreuungsfamilie ist anspruchsvoll und das Aufeinandertreffen von unterschiedlichen Lebensformen kann an Grenzen bringen.

Als Pflegefamilie arbeiten Sie unter Umständen mit Behörden, Sozialdiensten, Schulen, evtl. auch Therapeuten und Ärzten zusammen.

Es empfiehlt sich die Zusammenarbeit mit einer vertrauenswürdigen Familienplatzierungsorganisation FPO (indirekt statt direkt), welche die Vorabklärungen bewusst sorgsam macht, ihre Versprechen hält, den Betreuungsauftrag und Abrechnung schriftlich und transparent formuliert. Im optimalen Fall trägt sie das FPO-Label oder richtet sich zumindest nach den INTEGRAS-Empfehlungen.


Einstieg

Soziale Betreuung "familienfremder" Menschen kann selbst als routinierte und gestandene Eltern herausfordernd sein. Insbesonders dann, wenn die eigenen Kinder noch klein sind.

Villeicht möchten Sie mit "Teilzeit" -Betreuungsangeboten tagsüber Erfahrungen sammeln?

LINKS:

Häufig gestellte Fragen zu "Pflegeeltern werden" (pflegekinder.ch)
Pflegeeltern sein  (www.pflegekinder.ch)
Pflegekind sein (www.pflegekinder.ch)
Rechtliche Grundlagen
(Neues ab 2013 noch nicht enthalten)


Angestellt oder Selbstständigerwerbend?

Link 


Vertrauen schenken...

Was Wie Wo

Die Erziehung und Betreuung von Kindern/Jugendlichen ausserhalb ihres Elternhauses ist in der Vordnung über die Aufnahme von Pflegekindern des Bundes (PaVo, SR 211.222.338) sowie ZGB geregelt.

Neuerung PaVo ab 1.1.2013

Neuerungen zum Schutz für Pflegekinder:

Wer ein Pflegekind unter 18 J. in seinem Haushalt aufnehmen will, benötigt eine Bewilligung der Behörde, wenn das Kind: für mehr als 1 Monat entgeltlich aufgenommen wird; oder für mehr als 3 Monate unentgeltlich aufgenommen wird (PaVo, Art. 4).

Wer entgeltlich oder unentgeltlich Kinder regelmässig im Rahmen von KRISENINTERVENTIONEN aufnehmen will, benötigt unabhänig von der Dauer eine Bewilligung.

Die Bewilligungspflicht besteht auch dann, wenn das Kind: von einer Behörde untergebracht wird oder das Wochenende nicht in der der Pflegefamilie verbracht wird. 

Anforderung an FPO

Sind neu im seit 1.1.2014 in Kraft getretenen Kindes- und Erwachsenenschutzgesetz geregelt (kantonale Zuständigkeit / Aufsicht)

Kompetenzstelle FPO Label

Begriffe:

Familienplatzierung = Platzierung in Familie ausserhalb Herkunftsfamilie

Fremdplatzierung = Platzierung ausserhalb Herkunftsfamilie, Heim?

Ausserfamiliäre Betreuung = versch. Betreuungsangebote ausserhalb Herkunftsfamilie

Ausserfamiläre Betreuung von Kindern in Privatfamilien = keine Heimplatzierung

Familienergänzende Kinderbetreuung = tagsüber Angebote, vereinzelt (nicht dauernd). Ergänzendes Betreuungsangebot zur Erziehung in der Herkunftsfamilie, z.B Tageseltern.

Heim = gesetzlich def. Begriff für Einrichtung, welche ca. 4 und mehr Personen betreut

Pflegeeltern/familie = (rechtlicher) Begriff für Familie welche Menschen zur Begleitung, Betreuung, Pflege aufnimmt (Kinder bis Mündigkeit, 18. J.)

Kinder/Jugendliche = Alter nicht einheitlich definiert

Pflegekosten: Enthält meist Kost & Logis, Betreuungsaufwand. Nicht einheitlich definiert

FPO = Familienplatzierungsorganisation

Direkt Platzierung = z.B direkt durch Gemeindebehörde. D.h ohne stärkende Familienplatzierungsorganisation im Rücken (dh. ohne fachlichen Rückhalt, ohne Notfall-Dienst, Kontakt in Bürozeiten)

Indirekt = vermittelt. Weist Kinder/Jugendliche zu, z.B Familienplatzierungsorganisation FPO/ Heim > bietet Vorteile gegenüber Direktplatzierung> z.B fachlicher Rückhalt, Weiterbildung, Austausch, Netzwerk, Notfall-/SOS, Administration, Koordination Herkunftsfamilie, Arzt, Schule)

BetreuVO = Betreuungs-Verordnung (relevant ab 4 Personen)

PaVO = Pflegekinder-verordnung des Bundes

Wichtig

Prüfen Sie die jeweils rechtliche Ausgangslage und Zuständigkeit in Ihrem Kanton (unterschiedlich)

Vermittlungsstellen Neu:

Vermittlung von Pflegekindern sowie Begleitung von Pflegefamilien (FPO) = ist neu melde- und aufsichtspflichtig (Kanton) > Schutz vor Missbrauch. Bei schwerwiegenden Mängeln kann Tätigkeit untersagt werden, bis Mangel behoben ist (gilt ab 1.1.2014).