Time-out (Auszeit)

Am Anfang eines Time-outs steht normalerweise eine Krise. Mit einem Time-out soll eine nachhaltige Veränderung bei der betroffenen Person (Klient) und deren Umfeld (Familie) initiert, eingeübt und verfestigt werden. Diese Ziele werden im Handeln (Verhaltensmuster), der Kommunikation, der (Erziehungs-)Haltung und der Struktur (Regeln, Organisation) verfolgt. Der Klient soll sich nach dem Time-out im Herkunftsumfeld mit Unterstützung der beteiligten Personen so verhalten können, dass er sein Umfeld und das Umfeld ihn nicht mehr überfordern.

Sogenannte "Time-out" Platzierungen sind zunehmend gesucht. Time-out meint übersetzt "Auszeit":

  • zumeinst kurz- bis mittelfristige Aufenthalte, ca. 3 Wochen bis wenige Monate
  • gibt Menschen eine Auszeit vom (Heim)Alltag oder anderen schwierigen Situationen 
  • kann auch eine Auszeit vom Schul- oder Lernalltag sein
  • kann eine gerichtlich angeordnete Vollzugsmassnahmen sein (unfreiwillig in Betreuungsfamilie)
  • kann auch eine Jugendliche Mutter mit Kind sein, welche aufgrund ihrer Drogenvergangenheit "den Rank" noch nicht wieder gefunden hat
  • können Ex-Suchtkranke sein

Die Betreuungfamilie unterstützt die Klienten auf einem Teilstück ihres Weges. Den Weg müssen Klienten aber selber gehen!


Unterschied zu Pflegekinder?

Vereinfacht gesagt, ist die Time-out Platzierung eine Pflegekind-Platzierung - jedoch kürzer (wenige Wochen), herausfordernder und oft auch kurzfristig bis hin zur SOS-Notfallplatzierung.

Die Begriffe Pflegekind/Timeout werden oft deckend angewandt. Time-out Platzierungen (Auszeit) können folgende Hintergründe haben:

  • Kind/Jugendlicher ist in Not/Krisensituation 
  • unfreiwillig aus Herkunftsfamilie "gerissen" (Krise Eltern z.B Gewalt, Drogen, Burnout)
  • als Time-out aus einer Heimplatzierung
  • Lernmüde ("Motivationswochen")
  • Wiedereingliederung in Lebensalltag (Arbeitslosigkeit, nach Suchtentzug u.ä)
  • unfreiwillige Straffollzugsmassnahme (statt Jugendknast) usw.

Die (rechtlichen) Grundlagen für Time-outs sind (fast) gleich wie für Pflegekinder. Die Platzierungen können erhöhten Weiterbildungsbedarf und Erfahrung erfordern. Eignet sich wenig als Einstieg in Soziale Betreuung oder wenn eigene Kinder noch klein sind.


Krisenplatzierung / SOS - Platzierung

Spezifischer Schwerpunkt einer Krisenintervention ist die schnelle geografische Platzierung des Klienten aus dem bisherigen Umfeld, um die dort eskalierende Krise zu stoppen. Ziel ist es, eine Stabilisierung zu erreichen und Zeit zu gewinnen, um mit der zuweisenden Stelle und den Eltern ein mittel- oder langfristiges Vorgehen auszuarbeiten.
Platzierungen meist sozial- oder heilpädagogischen Pflegefamilien vorbehalten.


Überbrückungsplatzierung

Bei dieser eher kurzen (meist intensiven) Platzierung liegt der Schwerpunkt im Ermöglichen eines stabilen, dem Klienten angepassten Übergangsplatzes, bis eine geeignete Anschlusslösung angetreten werden kann. Die Platzierung richtet sich nach individuell für den Klient festgelegten Zielen welche durch die zuweisende Stelle (Familienplatzierungsorganisation - FPO) mit dem Klient festgelegt werden.
Platzierung findet oft in sozial- oder heilpädagogischer Pflegefamilie statt (d.h. mindestens 1 Elternteil verfügt über dementsprechend sozialpädagogische Ausbildung)


Sozialpädagogische Grossfamilie

Eine besondere Form der Platzierung ist die Sozialpädagogische Grossfamilie.


Tipp:
  • Unter Umständen sehr herausfordernde Betreuungsformen (Wirkung/Auswirkung auf eigene Familie)
  • Eignet sich kaum während Kleinkinder/Familienphase
  • Bedingt dauernde Betreuung. Bei Nebenerwerb auswärts nicht geeignet
  • Klare Regeln und Strukturen und Grenzen setzen können. Eigene Grenzen wahren
  • Ganze Familie muss dahinter und dafür (ein)stehen
  • Standfestigkeit Betreuungsfamilie wichtig
  • Kaum möglich, eine weitere Platzierung oder Gäste auf dem Hof zu haben
  • Zusammenarbeit mit FPO / Familienplatzierungsorganisation sehr empfohlen
  • Praxisbegleitende Weiterbildung und Inter/Supervision empfohlen
  • auch entlegene, einfach eingerichtete Höfe ohne viel Ablenkung eignen sich dafür

Bezahlung

Timeouts kommen meist recht kurzfristig und für kurze Zeit (ca. 2 - 3 Wochen). Der Aufwand ist im Verhältnis ein mehrfaches grösser als bei einer "normalen" Pflegekinderplatzierung =>tiefgreifendere Vorgeschichte (z.B Straffälligkeit, "Heimkarriere", Suchtmittel, Gewalt usw), mehr Unruhe im System/Familie, kurzfristige Anpassungszeit/sutuation, Unvorhersehbare Betreuungssituation 24h/Tag usw. sowie Wohnschlussreinigung/Bereitstellung auf kürzere Zeit verrechenbar).
Empfehlung ab 125 CHF / Tag / Pers. (davon entsprechen ca.45 CHF allein Kost & Logis)

Betreuungsangebote in Familien mit sozialpädagogischer Ausbildung werden entsprechend höher abgegolten (ca. 250 CHF/Tag/Pers.)

Tipp

Herausfordernde Platzierung. Kein Alleingang! Mit Familienplatzierungs-organisation (FPO) zusammenarbeiten (Fachliche und Admin. Rückenstärkung)

Auszeit auf dem Bauernhof...

Bewilligung

Kinder: dito Pflegekinder. Findet die Platzierung im Rahmen einer Krisenintervention statt, ist dies immer bewilligungspflichtig - unabhängig von der Dauer.

Erwachsene:
siehe auch Erwachsenenschutzrecht

Neuerung PaVo ab 1.1.2013

Neuerungen zum Schutz für Pflegekinder:

Wer ein Pflegekind unter 18 J. in seinem Haushalt aufnehmen will, benötigt eine Bewilligung der Behörde, wenn das Kind: für mehr als 1 Monat entgeltlich aufgenommen wird; oder für mehr als 3 Monate unentgeltlich aufgenommen wird (PaVo, Art. 4).

Wer entgeltlich oder unentgeltlich Kinder regelmässig im Rahmen von KRISENINTERVENTIONEN aufnehmen will, benötigt unabhänig von der Dauer eine Bewilligung.

Die Bewilligungspflicht besteht auch dann, wenn das Kind: von einer Behörde untergebracht wird oder das Wochenende nicht in der der Pflegefamilie verbracht wird. 

Familienplatzierung

Tageseltern und Pflegefamilien stehen unter der Aufsicht der Kinder- und Erwachsenenschutzstellen (vor 2013 Vormundschaftsbehörde Gemeinde)

Die Erziehung und Betreuung von mehreren Kindern (SZ: ab 4 Kinder, kantonal unterschiedlich) benötigen eine kantonale BEWILLIGUNG (§1 und 3 Abs. 1 §7, BetreuVO)

Ab 2013 werden durch das neue Kindes- und Erwachsenenschutzgesetz die örtlichen Vormundschaftsstellen zu (über)regionale Fachstellen für Kindes- und Erwachsenenschutz (KESB). Zuständigkeiten in den Kantonen (Link)

Bauliches

Unter bestimmten Voraussetzungen können in Landwirtschaftszonen für Soziale Betreuung Gebäulichkeiten umgenutzt oder/und neu gebaut werden (RPG, SR 700 Raumplanungsgesetz Bund) (Raumplanungsverordnung Bund SR 700.1, RPV)