Versicherungen

Wenn Menschen von ausserhalb der Familie betreut werden, werden Fragen zur Haftpflicht sowie für Personenversicherungen relevant, die obligatorisch sind, sobald ein Einkommen erzielt wird. Dabei ist ausschlaggebend, ob Sie als selbstständig erwerbend gelten oder nicht. Versicherungsfragen können kompliziert sein. Es empfiehlt sich Fachleute anzugehen. Mögliche relevante Versicherungsbereiche sind:


Privathaftpflicht

(Sache der abgebenden Eltern)
Bsp. Pflegekind: Die Privathaftpflichtversicherung versichert Schäden, die ein Kind anderen Kindern, der Betreuungsperson oder sonstigen Erwachsenen oder deren Eigentum zufügt. Heute haben die meisten Familien eine Privathaftpflichtversicherung. Wenn Sie Kinder aus anderen Familien betreuen, empfiehlt es sich aber, dies zu überprüfen und auch zu verlangen, insbesondere wenn Sie Gruppen wie Spielgruppe betreuen. Auch wenn Sie nur ab und zu ein Kind betreuen, sollten Sie die Eltern auf das Thema ansprechen und sich die Versicherungsdeckung schriftlich bestätigen lassen.


Berufshaftpflicht

(betrifft Betreuungsperson)
Die Berufshaftpflichtversicherung deckt grundsätzlich Schadensersatz-ansprüche ab, die aus einer haupt- und nebenberuflichen Tätigkeit entstehen können – die kraft gesetzlicher Haftungsbestimmungen gegen die Betreuungsperson erhoben werden können. Konkret geht es dabei um Schäden, die ein betreutes Kind oder auch Pensionär oder Dritte erleiden, solange sich der Klient in der Obhut der Betreuungsperson befindet (Personen- oder Sachschäden). Beispiel: Ein Kind oder Pensionär fällt eine steile, ungesicherte Treppe hinunter und verletzt sich dabei, während es von der Tagesfamilie betreut wird. Die Unfallversicherung des Klienten kann Schadensersatzansprüche gegenüber der Betreuungsfamile geltend machen, wenn nachgewiesen werden kann, dass sie ihre Aufsichtspflicht verletzt hat.

  • Grundsätzlich (Betreuungsperson) zunächst mit der eigenen Haftpflichtversicherung die Frage (je nach Betreuungsangebote) überprüfen: «Wie bin ich gegen mögliche Schadensersatzansprüche versichert, z.B wenn ich Kinder aus anderen Familien betreue?» Das gilt besonders dann, wenn Sie ein Kind oder einzelne Kinder ohne Entschädigung und nur sporadisch oder stundenweise betreuen und nicht über eine Vermittlungsstelle (z.B. Tageselternverein) oder einen Trägerverein z.B Eltern- oder Spielgruppenverein versichert sind. Entsprechende Zusagen der Versicherung immer schriftlich bestätigen lassen.
  • Tipp: Bestehende Betriebshaftpflicht Landwirtschaft ergänzen (ca. 90 CHF/Jahr) und schriftlich bestätigen lassen!
  • Wenn selbstständig mehr oder weniger regelmässig und gegen Entschädigung einzelne Kinder oder Kindergruppen betreut werden, auf jeden Fall eine Berufshaftpflichtversicherung abschliessen, denn die private Haftpflichtversicherung deckt z.B. die Tätigkeit als Tagesfamilie sowie den Spielgruppen-Betrieb nicht. Für Tagesmütter und Spiel-gruppenleiterinnen gibt es unter bestimmten Voraussetzungen günstige Kollektivversicherungen (Tageselternverein/Spielgruppenverband).

Betriebshaftpflicht

(Hof, Einrichtung bzw. Trägerschaft)
Die Betriebshaftpflicht versichert Schadensersatzansprüche, die an die
Betreuungseinrichtung bzw. eine Trägerschaft gestellt werden für Schäden, die ein betreutes Kind oder Dritte erleiden, solange das Kind sich in der Obhut der Betreuungseinrichtung bzw. der dort angestellten MitarbeiterInnen befindet (Personen- und Sachschäden). Wenn Sie z.B. an einem Mittagstisch Kinder betreuen, sind Sie in der Regel Angestellte des Trägervereins. Kitas, aber auch Trägervereine von Spielgruppen, Mittagstische verfügen in der Regel über eine Betriebshaftpflichtversicherung, die ihre MitarbeiterInnen einschliesst.


Unfallversicherung

(Betreuungsperson - evtl. über Arbeitgeber)
Für Unselbstständigerwerbende besteht eine Versicherungspflicht. Der Arbeitgeber muss seine MitarbeiterInnen daher gegen Unfall versichern, und zwar:

  • bei weniger als 8 Stunden Arbeitszeit/Woche nur gegen Berufsunfall
  • bei mehr als 8 Stunden Arbeitszeit/Woche zusätzlich gegen Nichtberufsunfall
  • Für Selbstständigerwerbende ist die Unfallversicherung freiwillig

Obligatorisch ist die Unfallversicherung für:

  • Tagesmütter, die bei einem Tagesfamilienverein angestellt sind. Der Verband Tagesfamilien Schweiz bietet seinen Mitgliedern dafür eine günstige Versicherungslösung an
  • Nannys, aber auch Au-pairs und Babysitter: Diese Betreuungsformen gelten versicherungsrechtlich als «Hausdienstarbeit», für die zum Teil besondere Vorschriften gelten
  • SpielgruppenleiterInnen, die von einem Trägerverein angestellt sind
  • Angestellte BetreuerInnen von Mittagstischen und Chinderhüeti-Angeboten,die von einem Trägerverein geführt werden

Tipp: Weitere Informationen: www.ahv-iv.info > Merkblätter > ObligatorischeUnfallversicherung UVG (selbstständige Beiträge) An die Alters- und Hinterbliebenenversicherung (AHV), die Invalidenversicherung (IV), die Erwerbsersatzordnung (EO) sowie die Arbeitslosenversicherung (ALV)


AHV, IV, EO, ALV

(Betreuungsperson und Arbeitgeber (Angestellt oder Selbstständig)

Für AHV, IV und EO sind grundsätzlich alle erwerbstätigen, in der Schweiz wohnhaften Personen oder Grenzgänger beitragspflichtig, sobald sie das 17. Lebensjahr vollendet haben (ab 1. Januar des darauf folgenden Jahres). Für die ALV sind alle AHV-versicherten ArbeitnehmerInnen beitragspflichtig.
AHV, IV und EO unterscheiden zwischen Unselbstständigerwerbenden und
Selbstständigerwerbenden. Personen, die im Sinne der AHV als selbstständig
erwerbend gelten, sind nicht gegen Arbeitslosigkeit und nicht obligatorisch gegen Unfall versichert. Zudem fallen sie nicht unter das Obligatorium der beruflichen Vorsorge. Ob Sie im Sinne der AHV als selbstständigerwerbend gelten, beurteilt die Ausgleichskasse im Einzelfall.

Weitere Infos: www.ahv-iv.info
Dort gibt es u.a. Merkblätter zu diesen Versicherungen bzw. zu folgenden Themen:

  • Lohnbeiträge an die AHV, IV und EO
  • Beiträge der Selbstständigerwerbenden an die AHV, die IV und die EO
  • Beiträge an die AHV, die IV und die EO und die ALV auf geringfügigen Löhnen
  • Hausdienstarbeit (z.B. Nanny, Au-pair, Babysitter)
  • Beiträge an die Arbeitslosenversicherung

Bei Unklarheiten im Einzelfall hilft die kantonale Ausgleichskasse weiter.


Berufliche Vorsorge

Haftpflicht

  • Hausbesitzer und Mieter müssen eine Haftpflichtversicherung haben (Betreuung in von Ihnen genutzten Räumlichkeiten)
  • Jeder zu Betreuende/ Klient muss eine Haftpflicht-versicherung haben für Schäden, die er durch Unachtsamkeit oder sonstwie verursacht (Brand, Wasser, Verunreinigung etc)

Sozialversicherungen

  • Soziale Betreuungsdienstleistungen können in selbständiger Tätigkeit oder im Angestellenverhältnis geboten werden.
    Sie sollen korrekt abgerechnet werden (Soziale Absicherung - sägen am eigenen Ast!)
  • Wo fremde Personen in der Betreuung/Pflege mithelfen (Ablös, Angestellte) muss der Arbeitgeber über die vorgeschriebene Versicherung verfügen wie Betriebsunfall

Krankenkasse

  • Ist obligatorische Sache der Klienten
  • Prüfen, ob die Krankenkasse Teil der Betreuungs/Pflege übernimmt (vor allem Pensionäre)
  • Bei Familienplatzierungen übernimmt diese Abklärung die zuweisende Stelle (Beistand, Vormundschaft, Heim, Familienplatzierungsorganisation)
  • Oft ist Klient nicht in der Lage diese Angelegenheit selber zu verstehen/regeln (Angehörige, Beistand usw)

Versicherungs-Tipps:

  • Relevant für Versicherungsfragen ist: In welchem Arbeits/Vertragsverhältnis steht ich? (Angestellt, Selbstständig, Freiwilligenarbeit?
  • Welche Versicherungen sind "Pflicht"?
  • Fragen: Was könnte passieren? Welche Forderungen können (von Dritten) gestellt werden?
  • Welche ist bereits abgedeckt? 
  • Welche Risiken können wir selber tragen/welche nicht?
  • Welche Versicherungen müssten ergänzt, erweitert, zusätzlich gemacht werden? 
  • Schriftliche Zusagen (z.B bei Erweiterung bestehende Betriebshaftpflicht Landwirtschaft für Soziale Betreuungsdienstleistungen) immer schriftlich bestätigen lassen!

Merkblätter

der AHV/IV